Ein Leben, das missbraucht wurde, hat ein Recht auf ...

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Ein Leben, das missbraucht wurde, hat ein Recht auf ...

Ungelesener Beitragvon wasserringe.net » Sa 1. Sep 2007, 22:29

Liebe Wasserringe ~ Foris,

ich möchte Euch einmal gern erzählen, wie dieser "Slogan", der heute unser Wasserringe ~ Net Verein SCHWEIZ - "Sinnspruch" ist, zustande kam.


Das Thema nannte ich ursprünglich "Graduelle Selbstzerstörung".

Ich zitiere mich selbst aus dem Jahr 2003:



Graduelle Selbstzerstörung

Ein Posting mit diesem Titel, ein Text mit vielen Anklagen und Fragen + Gedanken v. 10.03.03

Achtung. Dieser Text kann ggf. ganz furchtbar triggern. *** Keine Spoiler, keine Sternchen im Text. Bitte pass auf Dich auf!

Heilung.

Wunden.

Verletzungen.

Ich dachte immer, ich sei darüber hinweg. Zumindest in dem Maße, so etwas wie früher rechtzeitig zu erkennen oder dem irgendwie vorbeugen zu können.

Und doch falle ich wieder ins alte Verhaltensmuster rein.

Ich unterwerfe mich einer Dominanz, die mich schädigt. Ich lasse zu, dass jemand verletzt wird - warum? Ich will nie wieder auch nur sehen, dass jemand ansatzweise verletzt wird!
Eher lasse ich mich zerstören, um es auf mich zu nehmen, als auf irgendwen sonst.

Habe ich das nicht besser verdient? Nö, genau das habe ich wohl verdient.

Meine Selbstzweifel fressen mich auf.

Wenn ich mir unbewusst eine Dominanz suche (sollten wir nicht alle auf einem gleichen Level stehen???), mich einer Dominanz unterwerfe (pah) dann wohl, weil es ein Muster ist, was ich kenne. Es ist mir vertraut. Es ist ein Bereich, der mir eine Art von Sicherheit gibt. Auch wenn es mich noch so kaputt macht.

Warum lässt man diese Art von Selbstzerstörung zu? Stück für Stück, schleichend, ja graduell, findet sie statt.

Ich weiß es und will es doch nicht.

Gott will, dass es mir gut geht. Gott hat mich lieb und wünscht sich so sehr, mir zu helfen.

Ich will diese Hilfe immer wieder neu in Anspruch nehmen. Gott ist nicht die Art von Dominanz, der mich klein kriegen will oder will, dass ich ohne zu hinterfragen tu was er sagt.

Gott ist ein Freund, ein Partner, ein Helfer in meinem Leben. Natürlich ist er höher als ich, wir stehen nicht auf einer Stufe.

Aber Jesus machte sich mir gleich. Er stieg zu mir vom Himmel herab um zu fühlen, zu erleben, wie ich leide. Und so litt er auch für mich - ER.

Hmmm. So kennt Ihr mich nicht, gell? Musste mal raus.

Liebe Grüße

Lena




Achtung. Auch dieser Text kann ggf. ganz furchtbar triggern. *** Keine Spoiler, keine Sternchen im Text. Bitte pass auf Dich auf!


Sich selbst zerstören mit Hilfe einer Dominanz im eigenen Leben - wie ist das möglich?

Man nimmt sich so fest vor, von nichts und niemandem (mehr) abhängig zu sein. Sich von niemandem und nichts sein Leben in irgendeiner Form auch immer vorschreiben zu lassen. Sich nichts und niemandem gar zu unterwerfen.

Da kommt sehr leicht die Frage in einem hoch, die einen wütend werden oder ausrasten lässt:

Warum sollte ich mich Gott unterwerfen? Warum sollte ich bei Gott "angekrochen" kommen?

ER hat doch nicht aufgepasst auf mich, als all meine schrecklichen Geschehnisse mich seelisch und emotional töteten. ER hat es doch zugelassen! ER war doch gar nicht da! Nein, mehr noch, er ist doch jener furchtbare und strenge Gott, der mich in meinem Leben einschränkt. Ich darf dies nicht mehr, ich darf jenes nicht mehr, nur, damit er Gefallen an mir finden kann. Er droht doch in der Bibel mit Hölle, Verderben und Strafen, mit Tod und Qual, wenn ich nicht das tu, was ER will, um ihm zu gefallen.
Und wenn er schon tatenlos zusah, wie ich vor die Hunde ging, kann er doch gar kein liebender Gott sein. Nein! Es macht ihm evtl. sogar Spaß, mir bei meinen Leiden zuzugucken. Er lässt es zu, er greift ja gar nicht ein, er weidet sich an meinen Qualen, und das Ende vom Lied ist, ich komme sogar noch in die "Hölle", nur weil ich bei ihm die Liebe weder suchen noch finden will, weil ich es satt habe, mich überhaupt von irgend etwas abhängig zu machen! Gott ist arrogant, Gott ist eine leere Versprechung, Gott ist für mich die schlimmste Qual neben all den anderen Qualen, die mich geprägt haben. Eher gehe ich freiwillig in die Hölle, als jemals mit diesem Gott in Berührung zu kommen!

Und warum sollte ich mich von Gott schon abhängig machen, zumal es ja immer heißt: Glaube soll glücklich und frei machen?

Fragen über Fragen. Ich verstehe Dich echt sehr gut, wenn Du sie stellst.

Du hast wahrscheinlich sogar noch ganz andere Gedanken im Kopf. Du stellst Dir vor, wie pervers es ist, wenn der Retter, der Helfer, der liebende Gott scheinbar tatenlos zusieht oder zugesehen hat, was alles in Deinem Leben passierte. Und dass er auch jetzt wohl nicht mal ansatzweise daran denkt, Dir da raus zu helfen. Nein, wenn Du sogar weißt, dass Du an den Folgen jener Verbrechen sterben wirst, weil Du ggf. Krebs oder AIDS hast - oder etwas anderes.

Der Name "Gott" triggert Dich schon. "Im Namen Gottes" wurdest Du sogar gepeinigt. Misshandelt, missbraucht. Du wurdest sogar für Gott geopfert.

Dir wurde die Bibel aus Ungehorsam von Deinen Eltern auf den Kopf geschlagen - "Beachte das Wort des Herrn!"
Du solltest auf Knien um Vergebung Deiner Sünden bitten und alles hörbar laut aufzählen, was Du "falsch" gemacht hattest.
Du musstest im Gottesdienst still sein, nicht aufmucken, obwohl alles in Dir schrie.
Du musstest für Gott alles tun, um ihm angeblich als Werkzeug und Opfer zu dienen - sogar Sex mit Menschen oder Tieren, die in Wirklichkeit dem Satan angehör(t)en (die Menschen).
Dein AIDS sei angeblich eine gerechte Strafe Gottes. Dein Krebs ist die Quittung dafür, dass Du Dich ihm nie unterworfen hattest.
Deine Homosexualität ist für gewisse Christen so abartig, dass Du freiwillig den Tod suchst.
Du wurdest dazu gezwungen, Menschen von diesem Gott zu erzählen.
Du musstest Dein Kind abtreiben lassen, weil es ja Sünde war, vor der Ehe mit Deinem Freund geschlafen zu haben.
Du musstest laut vor bestimmten Menschen beten und alles aussprechen was verkehrt lief - und wurdest dafür anschließend halbtot geprügelt.
Christ-Sein ist für Dich eine Hölle.
Die Christen sind für Dich alle geisteskrank.
Jemand, der seinen Glauben wie ein Aushängeschild vor sich herträgt ist für Dich der Trigger schlechthin.
Alle Christen sind fundamentalistisch geprägt. Und Fundamentalismus heisst nichts anderes als: Mit der Bibel zu dreschen ...
Charismatische Christen sind Sektierer - also auch krank.
Evangelikale Christen sind Landeskirchler - und die haben Glaubenskriege und Hexenverbrennungen unschuldiger Menschen auf dem Gewissen.
Freikirchen aller Art, auch wenn sie unter dem Dach der Evangelischen Allianz laufen - sind doch auch nur Verirrte, die nicht weiterwissen und sich eine eigene Wahrheit zusammen gebastelt haben.
Und naja, die bekannten Sekten sind doch eh alle in einen Pott zu stecken - und druff; triffste immer den Richtigen ...

Gott suchen? Wo denn bitte schön ... und warum ...?!

Es soll angeblich nur einen Gott geben – warum gibt es jedoch so viele Gemeindearten, so viele unterschiedliche Erfahrungen mit Gott, so viele unterschiedliche Glaubensvorschriften, so viele Religionen? Warum ist eines immer gleich:

Die Qual?

DICH KOTZT DOCH ALLES SO DERMASSEN AN!!!

Zudem stellen viele Menschen fest: Gott ist doch nur für Euch Zerbrochene jemand, an den Ihr Euch klammert, weil Ihr alleine nicht (mehr) mit Eurem Leben klarkommt.

Da beißt sich doch was, oder?

Gerade aufrichtige Christen, die Gott wirklich lieb haben, müssen doch ohne Ende Stärke nach außen beweisen bzw. zeigen: Ja, ich glaube an etwas, was ich nicht mal sehen kann. Gerade sie machen sich nach außen hin "lächerlich", müssen Witze über sich ergehen lassen, müssen für Dinge gerade stehen, für die sie wirklich nichts können; sie müssen sich verlachen und verleumden lassen, schlagen lassen ...

Entweder man verliert dann als Christ seine ursprüngliche Liebe und Freiheit in Gott und wird so aggressiv, dass jene furchtbaren Umkehrreaktionen an Hilflosen, Schwachen oder "Unterworfenen" eskalieren - oder sie bleiben in der befreienden und ehrlichen Liebe, so wie Gott eigentlich ist!

Einer hat es auf jeden Fall geschafft, unverändert immer derselbe zu bleiben und zu sein: Jesus.

Nun will ich Dir an dieser Stelle keine Predigt *gähn* halten. Dazu bin ich weder berechtigt, noch befugt, noch theologisch gebildet genug noch eigentlich in der Lage, behaupten zu können: Hey, ich weiß alles über Gott.

Das stimmt nämlich absolut nicht. So wie es die Bibel schon an einer Stelle sagt: All unser Wissen über Gott ist totales Stückwerk ...

Drei Dinge möchte ich Dir aber dennoch mitgeben.

1. Ich verstehe Dich und alle Deine Vorbehalte und Abwehrreaktionen gegen das Sich-Öffnen gegenüber des Glaubens an Gott.

2. Ein Leben, das missbraucht wurde, hat ein Recht auf ein Leben, das gebraucht wird. (Mein Lieblingssatz.)
... und der ist von mir und kein Fremdzitat :-D

3. Wir Menschen überschätzen Gott völlig, in allem, was wir ihm an Negativem zutrauen. Und wir unterschätzen ihn gleichzeitig total in den Dingen, die er an Positivem für uns bereithält.


Gott ist nicht so, wie er oben zu sein scheint. Gott ist anders. Gott ist absolut, zu 100%, ganz und gar, völlig anders.

Wir kennen die negativen und abartigsten Abgründe der Menschheit, die Gott niemals erschaffen wollte und der sie auch nicht erschaffen hat!

Nun kann man sich behaglich zurücklehnen und sagen: Ja ja, nun kommt wieder der berühmte Satz mit dem "Freien Willen des Menschen, den Gott den Menschen gab."
Die angebliche Ausrede aller Christen, wenn sie nicht mehr weiter wissen ...

Dass Gott den freien Willen gab, stimmt. Durch den freien Willen ist der Mensch überhaupt in der Lage, alles das zu tun, was er tun will und was er schließlich tut.

Es kommt keine "Predigt", nur ein Gedankengang, der oft fragend gestellt wird:

Warum greift Gott dennoch nicht ein? Er ist doch allmächtig dazu. Warum ließ Gott überhaupt die Sünde zu? Er wollte doch ein Paradies erschaffen, also warum ließ er dann zu, dass Adam und Eva trotz des Verbots in den Apfel bissen? Warum gab es dieses Verbot überhaupt? Er hätte ja den Baum, der verboten war, gar nicht erst miterschaffen müssen ...

Und weißt Du was?

Ich weiß es nicht.

Ich weiß es nicht!

Diese Fragen sind wie wenn man den Anfang und das Ende eines geschlossenen Ringes sucht. Sie werden zu einer Dominanz, zu einer weiteren selbstzerstörerischen Dominanz im Leben.

Gott will, dass wir nachdenken über ihn. Gott mag es gern, wenn wir unseren Verstand einschalten, und unser Herz, um ihn zu suchen. Er will nicht, dass man ihm willenlos nachfolgt. Und hier schließt sich der Kreis wieder.

Aber es ist alles so schwer. Die Fragen und Anklagen + Zweifel in uns bleiben bestehen.

Mich tröstet die Offenbarung: Gott wird die Täter, die Sünder, richten. Er wird den Notleidenden, den Geschundenen und Zerbrochenen die Tränen persönlich trocknen. Diese sind es, die den Himmel offen sehen werden.

Gott liebt Dich. Er ist Dein Herr. Er hält Gutes für Dich bereit. Es sind Schätze, die ich Dir nicht beschreiben kann.

Ich habe es entdeckt und es gespürt. Gott ist nicht so, wie oben geschildert. Ich persönlich hatte ihn im Bösen überschätzt, im Guten unterschätzt.

Gott ist gut. Er ist ein liebender und heilender Gott.

Gott verspricht:

5.Mose 4,29: Wenn du aber dort den HERRN, deinen Gott, suchen wirst, so wirst du ihn finden, wenn du ihn von ganzem Herzen und von ganzer Seele suchen wirst.
Spr 8,17b: (...), und die mich suchen, finden mich.
Pred 8,17: Und ich sah alles Tun Gottes, dass ein Mensch das Tun nicht ergründen kann, das unter der Sonne geschieht ...
Jer 29,13: Ihr werdet mich suchen und finden; denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, werde ich mich von Euch finden lassen.
Apg 17,27b: (...) damit sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. ...


Warum heißt nun diese Überschrift "Graduelle Selbstzerstörung"?

Zum Einen wegen des geschlossenen Ringes.

Zum Anderen, weil ich eigentlich darauf hinauswollte, dass man sich leider oftmals immer wieder von Dominanzen in menschlicher Form abhängig macht, und dies oft, ohne es eigentlich selbst zu bemerken.

Die einst so dominante Mutter, die einen gestern angeherrscht hat, wird heute ersetzt durch einen dominanten Chef, durch eine dominante Freundin, durch einen dominanten Kollegen, durch ein dominantes Gemeindemitglied ... was die "richtige" Gemeinde betrifft: man findet die für sich höchstpersönlich "richtige" Gemeinde lediglich nur Ausprobieren und Prüfen ... aber nicht dadurch, dass man entnervt und enttäuscht aufgibt und im schlimmsten Fall Gott ganz den Rücken kehrt. Halte durch. Gemeinschaft mit anderen Christen ist nicht zwingend, aber Gott rät uns dazu.

Ein altes Verhaltensmuster "Unterwerfung, Fügung, Stillhalten" bricht immer und immer wieder durch.

Obwohl man es ahnt und nicht will.

Dein Verstand, Dein Gefühl, Deine Therapie und auch Gott kann es Dir aufzeigen.

Er möchte es Dir gern wegnehmen und Dich frei machen.

Gott will nicht jene Art von Dominanz in Deinem Leben sein, die Dich zerstört, Dich willenlos macht, die Dir Dein Denken, Wollen und Tun diktiert, die Dich unterdrückt; sondern er wünscht sich, Dir zu helfen und Dich zu heilen. Dir zur Seite zu stehen.

So, wie es oben im Posting erzählt wurde.

Liebe Grüße

Lena




Das ist auch der Grund, weshalb der offizielle Verein des Wasserringe ~ Net ein sog. "christlicher" Verein ist.


Bei den Wasserringen gibt es KEINE Mission. Nur den Glauben an etwas Gutes, an eine Hoffnung, die sich Gott nennt. Vielleicht sogar Barmherzigkeit, ich weiss es nicht.


Und all dies wollte ich Euch gern einmal erzählt haben. Denn heute könnte und wollte ich persönlich nie mehr so von Gott erzählen, in der Art: Du musst gerettet werden!, sondern eher: Gott ist eine Hoffnung. Hoffen worauf? Und auch das wüsste ich nicht mal mehr.


Was denkt Ihr so?



Liebe Grüße


Lena
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